Elternzeit unter Segeln

Abenteuerland

Kann man sich einen besseren Geburtstag wünschen als mit seiner kleinen Familie auf einem Segelboot in der Natur, im kleinen Hafen, mit einer unserer bisher schönsten Wanderungen rund Utö, einem Geburtstagstisch und – frühstück (Danke Mama und Papa, danke Philippe!) und leckerem Essen am Abend? Was mich betrifft muss ich sagen, nein. Ein Wehrmutstropfen ist natürlich, dass meine Familie und Freunde nicht da waren, doch das holen wir auf jeden Fall nach!

Aber zuvor << play back.
Wie versprochen berichte ich euch von unserer ersten nicht allzu angenehmen Nachtfahrt. Meine größte Angst war bisher, dass wir von einem Starkwindgebiet überrascht werden und so richtig auf die Nase bekommen. Dann wäre die Rollenverteilung an Bord noch klarer und Philippe könnte nicht auf Jannis aufpassen, sondern müsste sich vollends auf das Boot konzentrieren.
Dass genau das Gegenteil uns einmal aus der Ruhe bringen könnte, hätte ich nicht gedacht…
Wir starteten gegen 19.00Uhr auf Arö- Gotland mit der Annahme, der Wind frische innerhalb der nächsten Stunde auf und wir könnten mehr oder weniger gemütlich mit einem Halbwindkurs und 15 vorhergesagten Knoten gen Küste Schwedens in unsere herbei ersehnten Schären. Der Wind blieb allerdings aus und die Kombination aus Starkwind am Vortag und kein Wind während unserer Überfahrt erwies sich als denkbar schlecht. Die Wellen türmten sich zwar „nur“ knapp zwei Meter, aber ohne stabilisierende Segel unter Motor mussten wir schnell feststellen, wie ruppig das Meer uns hin und her wirft. Dass Jannis dabei in der Vorkabine abgesichert in seinem Nest schlafen konnte, verstehe ich bis heute nicht. So einen tiefen Schlaf wünschen sich sicher viele von uns. Schnell war klar, unser geplanter Kurs kann nicht gefahren werden, ohne dass alle später ein Schütteltrauma erleiden und wir drehten ab, damit die Wellen uns nicht 90° von der Seite erfassten. Nach mehreren Versuchen mit Segel rauf, Segel runter, Motor an, Motor aus, hatte Philippe in der Nacht eine einigermaßen stabile Lage gefunden, mit der wir mit nur 4 Stunden Verzögerung an unser erwünschtes Ziel kamen. Obwohl ich dieses Mal auch eine längere Schicht bis 2 Uhr morgens- übrigens fast taghell- übernommen hatte, holte mich Philippe am Morgen aus der Koje und ich dachte, neben uns taucht ein Wal auf.

Die von rauer See blank geschliffene Außenschäre wirkte nach dem seichten Küstengewässer Ölands und den pittoresken Kalksteingebilden Gotlands wie eine andere Welt.
„Noch zwei Bootlängen“ – der Heckanker fällt, „Noch drei Meter, noch zwei, noch einen, noch ein kleines Stück! Aufstoppen!“ – Sprung. Puh, ich bin sicher auf den steilen Fels gesprungen, ohne mich beim ersten Heckankern auf die Klappe zu legen und im Wasser zu landen. Hätte schlechter laufen können. Jetzt nur noch das Boot mit zwei Leinen und Schärenankern am Fels sichern und schon sind wir echte Schweden. Kleiner Spaß, denn schon in Stockholm legen wir uns ein neues Heckankergeschirr mit Abrollleine an. Das System mit der Ankerleine und der Pütts hat nur mäßig funktioniert und schließlich haben wir noch viele Ankermanöver dieser Art vor.

Nach einem gemütlichen Morgen, da wir die Nacht noch in unseren Knochen spüren, machen wir uns auf eine kleine Entdeckungstour auf der Schäre, bevor wir den Anker am späten Nachmittag wieder aufnehmen, um für meinen Geburtstag die Schäre Utö anzulaufen.
Nach verdächtigen Hinterlassenschaften an Land, googeln wir erst einmal wie Elchscheiße aussieht und tatsächlich, Jackpot. Also streichen wir durch das Dickicht und suchen nach dem Wahrzeichen Schwedens, leider ohne Erfolg. Aber wir kriegen bestimmt noch einen zu Gesicht.

Utö ist bei den Schweden ein beliebter Anlaufpunkt im Sommer. Das merkt man allein daran, dass der Hafen saftige Preise hat. Da für die nächsten beiden Tage allerdings mehr Wind angesagt ist, legen wir lieber im Hafen an. Nur so können wir unbesorgt über mehrere Stunden die Insel erkunden. Dieses Phänomen, die Angst, dass sein zu Hause ohne einen wegschwimmt, lernt man auch nur auf einem Segelboot kennen.
Am Morgen meines Geburtstages werde ich von Philippe mit einem zauberhaften Frühstück und einem tollen Geschenketisch überrascht. Am Vortag habe ich natürlich schon mitbekommen, dass sogar Geburtstagsmuffins auf mich warten. Das kann man auf so kleinem Raum auf keinen Fall vermeiden und so war die Vorfreude schon groß. Unser Tagesprogramm unterschied sich nur geringfügig von unseren sonstigen Tagen. Aber mal ehrlich, was kann man denn noch mehr erwarten? Das Wetter ließ sich wie fast jeden Tag zuvor mit 12 Stunden Sonne grad so aushalten und die Wanderung um Utö war mehr als traumhaft. Von sandigen Küstenstreifen, zu tiefen und wohlriechenden Kiefernwäldern, bis hin zu spektakulären Felsausblicken war alles dabei. Belohnt haben wir uns noch mit einem Picknick am Wasser, bei dem wir abwechselnd sogar ins Wasser springen konnten.

Auf die nächsten 30!

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  1. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag auch von uns liebe Lisa.

    Klaus und Brigitte

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