Elternzeit unter Segeln

Der Trollhättankanal

Mit der letzten Schleuse in Sjötorp ist das Kapitel Götakanal schon wieder pasé. Wahnsinn wie schnell die Ereignisse an uns vorüberziehen, von denen wir monatelang phantasiert haben. Den Götakanal haben wir ein wenig erschöpft gemeistert und freuen uns nun endlich mal wieder etwas zu segeln. Wir kreuzen gemütlich über den Vänern, bis wir den wilden Djurö Nationalpark als Tagesziel erreichen. Diese abgelegene Inselwelt inmitten des Vänern hat viel zu bieten und lässt sich über markierte Wanderwege prima erkunden.

Lediglich die Moskitos machen uns kurz vor dem Ende unserer Wanderung einen Strich durch die Rechnung und sorgen dafür, dass wir sie mit einem Zielsprint beenden. Wie angestochene Schweine nehmen wir die Füße in die Hand und wedeln kräftig mit den Armen um unsere Köpfe, um den Biestern zu entkommen. Das Wild in der Ebene fragt sich wahrscheinlich auch, mit welcher Spezies es hier zu tun hat. Jannis schien es zu gefallen, er schläft tief und fest als wir wieder am Boot angelangt sind.

Auf unserem Weg Richtung Trollhättan Kanal nehmen wir noch ein paar Sehenswürdigkeiten auf dem Vänern mit. Dazu gehört unter anderem das Schloss Läckö und das alte Fischerdorf Spiken. Die Abendsonne beschert uns ein paar wunderbare Aufnahmen des Schlosses, dass wir am nächsten Tag erkunden. In den engen Zimmern und dem Besucheransturm werden wir das erste Mal auf dieser Reise wieder an die Pandemie erinnert. Wir erwischen uns beide dabei, wie wir abstruserweise in vollen Gemächern die Luft anhalten. Ein klares Zeichen dafür, dass ansonsten die Natur unser neues Wohnzimmer ist. Gar nicht mal so verkehrt!

Nachdem wir uns die alten Nutzgärten und Kochstellen angeschaut haben, möchte ich euch einen kurzen Einblick in unsere kulinarischen Köstlichkeiten geben. Wer uns kennt, der weiß, es braucht nicht viel (*Ironie). Also geben wir uns große Mühe immer mal wieder etwas Leckeres in unserer kleinen, aber feinen Pantry zu zaubern. Hier ein kleiner Einblick:

Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mich bei der Recherche zum Trollhättan Kanal gefreut, dass er insgesamt nur sechs Schleusen hat und eine Strömung, die uns gut 2 Knoten schneller voran bringt. Eine Kanalfahrt die ist lustig… ach ne, eine Seefahrt die ist lustig und genau so ergeht es mir. Ich war gespannt auf den Kontrast zwischen alt und neu, aber vor allem freue ich mich wieder auf Meer und den Duft von Seetang in der Nase.
Das Tolle an unserer Reise ist jedoch, dass man manchmal eines Besseren belehrt wird und mir von unserer Zeit im Trollhättan Kanal noch einige eindrucksvolle Bilder in den Sinn kommen.
Zum Beispiel als wir uns einem „Riesen“ von Schiff auf gefühlt zwanzig Zentimeter nähern und uns dabei wie ein Winzling fühlen.

Oder der tolle Naturhafen „Akers vass“, der so eindrucksvoll zeigt, wie die alten Schleusen damals gebaut wurden, die in beeindruckendem Kontrast zu den neuen Schleusen stehen. Oder auch die tollen Eisenbahn-, Hub-, Klapp- und Drehbrücken, die Philippe stets an ein Projekt während seiner Bachelorzeit erinnern. Oder das gewaltige Wasserkraftwerk bei Trollhättan.

Ihr seht schon, es gibt auch hier Einiges zu erzählen. Was sich aber von den Berichten zuvor unterscheidet, ist, dass uns dieses Mal von Menschen errichtete Bauwerke faszinieren und so verwundert es nicht, dass unser nächster Halt die Stadt Göteborg ist. In einer riesigen Baustelle wird hier gefühlt die halbe Stadt auf links gedreht, um ein ansehnliches Stadtbild rund um den Bahnhof zu schaffen. Die anderen Stadtteile glänzen in alter Pracht und gefallen uns sehr gut. Mit den vielen Parks und den berühmten „Haga- Bullar“ haben wir einen schönen entspannten Tag.

Leider ist unsere Zeit hier begrenzt. Es heißt mal wieder das Boot seefest zu machen, die Schränke aufzufüllen und Wäsche zu waschen, bevor es dann über den Skagerak ins wunderschöne, jedoch noch teurere Norwegen geht. Und um jetzt mal so einen richtigen Cliffhänger einzubauen. Ich sag euch, mit dieser Überfahrt haben wir unsere Komfortzone eindeutig überschritten. „Da trifft uns doch der (Donner-)Schlag“, im wahrsten Sinne des Wortes.
Dranbleiben lohnt sich.

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  1. Leckebusch Ulli

    Traumhafte Bilder und ein liebevoller Bericht. Da freue ich mich schon auf den Nächsten 😊.

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